Seitensprung - und dann?

Kann ich, soll ich, darf ich? Einmal das Spiel des Flirtens bis zum Ende spielen. Das Kribbeln sexueller Anziehung außerhalb der Beziehung spüren. Fremdgehen. Macht doch jeder – jedenfalls scheint es so. Für die einen ist es ein Trennungsgrund, für die anderen ein neuer Kick in der Beziehung.

Das Spiel mit dem Feuer ... (Bild: picture-alliance/dpa)

So reizvoll es erscheinen mag, so unterschiedlich wird es eingeschätzt. Schon der berühmte Casanova genoss die schönen Seiten des Seitensprungs. Doch nicht immer geht alles glimpflich ab. Für den Betrogenen ist die Situation enorm belastend – erst recht dann, wenn Gefühle mit im Spiel sind. Statistiken zufolge aber gehen etwa 50 Prozent aller Männer und Frauen fremd.


Das Gefühl des Nicht-mehr-geliebt-Werdens

Die Ursachen für einen Seitensprung sind fast immer in der Beziehung zu suchen. In den meisten Fällen wird ein zentrales Bedürfnis von einem der Partner nicht mehr befriedigt. Das wird dem "Untreuen" oft selbst erst beim Erleben der "Außenbeziehung" deutlich. Hat die Partnerin es erfahren, ist der Vertrauensmissbrauch perfekt und die Trennung meist unausweichlich. Das Gefühl des Nicht-mehr-geliebt-Werdens macht sich breit, und die Frage nach dem Warum verfolgt einen bis in den Schlaf. Die Partnerschaft ist zerstört.

Ein bisschen Rausch von Leidenschaft

In lang andauernden, gewachsenen Beziehungen verfestigen sich Regeln, Routine, es gibt kaum noch Überraschungen. Eine Affäre hingegen verspricht einen Rausch von Leidenschaft und neuen Erfahrungen. Die Gründe für Seitensprünge sind individuell. Oftmals weisen sie auf Defizite wie fehlende Zuneigung und Zärtlichkeit in der Ehe hin, manchmal auf Egozentrik. Häufig hat es sich "nach ein paar Gläsern Wein einfach so ergeben".

"Du sollst mich niemals betrügen!"

Wie tiefgreifend oder oberflächlich die Gründe sein mögen, es passiert in nahezu jeder Ehe und alle müssen einen Weg finden, damit umzugehen. Der drohende Imperativ "Du sollst mich niemals betrügen" könnte von einer neuen Ethik abgelöst werden, die von einer Verbindung von Verantwortung und Freiheit getragen ist. Verantwortung für das eigene Handeln und für die Beziehung auf der einen Seite, und persönliche Freiheit und Respekt vor der Freiheit des Partners auf der anderen Seite.

Affären verschweigen?

In seinem Buch "Die heimliche Liebe. Ausrutscher, Seitensprung, Doppelleben" meint Wolfgang Schmidbauer, Affären sollte man verheimlichen - und zwar gut. Geständnisse hingegen würden nur unnötige Verletzungen hervorrufen. Viele betrogene Partner sagen wiederum, das gerade das nachträgliche Wissen, lange Zeit bewusst hintergangen worden zu sein, die größte Kränkung bedeutet hat.

Neues Vertrauen schenken

Natürlich gibt es kein Rezept, die Lösungen sind so individuell wie die Lebensgeschichten in den Beziehungen. Wie jede Krise beinhaltet auch diese eine Chance für die Beziehung. Nach Kränkungen, Aussprachen, Vorwürfen ist der zentrale Punkt die Fähigkeit, sich wieder Vertrauen zu schenken. Dann können die Partner wieder aufeinander zugehen, miteinander reden, sich erklären. Sie können ihre Wünschen und Bedürfnisse benennen und vielleicht manche Routine ablegen. Es entsteht wieder Raum für Wertschätzung und mit wachsender Akzeptanz kann sogar ein Neuanfang gewagt werden, der auf dem Boden gemeinsamer Erfahrungen die alte Liebe neu belebt.

Wer betrügt, hat ein Problem

Wer beim Betrügen erwischt wird, hat ein Problem: Er muss sich entscheiden, ob er beim Partner bleiben will oder den Seitenwechsel vollzieht. Wer sich für seinen Partner entscheidet, muss viel Geduld mitbringen. Schließlich ist dieser tief verletzt und muss sich erst einmal wieder fangen.


Quelle: hr-online.de/website/rubriken/ratgeber