Oswalt Kolle über die Wirkung seiner Filme

Kampf gegen Windmühlen

Oswalt Kolle produzierte – und provozierte. Mit seiner nie dagewesenen Offenheit und Sachlichkeit spaltete er die Nation: während die meist weiblichen Leserinnen ihm die Aufklärungsschriften förmlich aus den Händen rissen und ihre Männer in die Kinos zogen, drohte die Bundesprüfstelle mit Zensur. Immer wieder stieß "der Aufklärer der Nation" auf heftige Gegenwehr der Sittenwächter. Die Zensoren zerrissen seine Artikel und Bücher in der Luft.

Seine Filme wurden europaweit hitzig diskutiert, teilweise beschlagnahmt und erst nach langen Auseinandersetzungen freigegeben. Doch Oswalt Kolle hatte einen langen Atem.

Entgegen aller Widerstände hielt er an seinem Ideal fest. Und er setzte sich durch. Indem er seine Aufklärungsbeiträge stets durch aktuelle Erkenntnisse internationaler Wissenschaftler untermauerte, nahm er seinen Kritikern schließlich den Wind aus den Segeln.

"Wer Anstöße geben will, muss anstößig sein"

Oswalt Kolle hat unsere Gesellschaft revolutioniert: Ihm verdanken wir die Freiheit, unsere Sexualität offen zu thematisieren und gleichberechtigt auszuleben. In einer Zeit, in der Homosexualität als Krankheit galt und die Frau zur Gebärmutter des Mannes degradiert war, begehrte Oswalt Kolle auf und kämpfte für seine Vision – bis heute. Mit knapp 80 Jahren ist er noch immer als Publizist und Autor tätig. Seinen Schwerpunkt hat er inzwischen verlagert: Mit Themen wie Sexualität im Alter, Pornografie im Internet und Behindertensexualität widmet er sich den neuen Tabus unserer Zeit.

Ein Leben für die Liebe. So intensiv und nachhaltig wie Oswalt Kolle hat es wohl niemand gelebt.

Quelle: www.prosieben.de/lifestyle_magazine/sexreport_2008