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Die Kunst des Hintergehens

Egal wie, ein Seitensprung muss her, denn: Wer etwas auf sich hält, geht fremd. Schließlich liegt es in unserer Natur. Das wäre erledigt. Es nützt nichts, sich dagegen zu wehren - fremdgehen ist ganz natürlich.
Foto: iStock-Fotos

Wer hätte das gedacht: Nur die Hälfte der deutschen Männer und Frauen zwischen 25 und 55 Jahren hat bereits einmal einen Seitensprung begangen. Dabei ist Fremdgehen eine ganz natürliche Sache - rein evolutionsbiologisch betrachtet. Warum also so schüchtern? Daran ist nur die Gesellschaft und ihr moralinsaurer Zeigefinger schuld.

Wenn es nach der Natur ginge, müsste Fremdgehen geradezu ein Nationalsport sein. Nach Meinung vieler Wissenschaftler wäre der Seitensprung die Regel, Treue die Ausnahme. Somit ist es geradezu erstaunlich, dass immerhin die Hälfte der Partner NICHT fremdgeht!

Bei diesen Exemplaren muss man davon ausgehen, dass es sich um Erotik-Trantüten erster Güte handelt. Wenn sie schon für Sex mit dem eigenen Partner zu faul sind, werden sie sich wohl kaum dazu aufraffen, in ein fremdes Bett zu steigen.

Für alle anderen gilt: Fremdgehen gehört zum Beziehungsleben wie Akne zur Pubertät. Auf Dauer kommt man nicht drum herum.

Na, fühlen Sie sich jetzt besser? Einige bestimmt. Erstmal jene männlichen Fremdgeher unter uns, die schon immer wussten, dass sie allein aus genetischen Gründen einen Anspruch auf ein bisschen Abwechslung haben. Und natürlich deren Frauen. Auch wenn es viele nicht glauben wollen: Die tun es ebenso oft - sie sprechen nur nicht darüber. Vielleicht aus Scham, vermutlich aus Klugheit. Warum auch immer - wenn Frauen fremdgehen, handeln sie nur insofern gegen ihre Natur, dass sie es nicht weitererzählen.

Treue ist was fürs Bonusheft
Doch wie überzeugt man jene 50 Prozent, die von all dem nichts wissen wollen und weiterhin auf Treue schwören? Die nicht begreifen wollen, dass Treuepunkte einen heutzutage nurmehr an einer Supermarktkasse weiterbringen.

Diese beratungsresistente Klintel ist ein klarer Fall für die Seitensprungagentur.

Die Vermittler sexueller Abenteuer helfen widernatürlichen Treue-Anbetern auf die Sprünge und bedienen darüber hinaus eine kilometerweite Marktlücke: schneller Sex ohne Reue, ohne ermüdendes Kennenlernen, ohne "Rufst Du mich an?"-E-Mail genügt, und schon organisieren diverse Anbieter gegen eine kleine Gebühr ein anonymes Erotikabenteuer.

Der ideale Kunde muss nicht überzeugt werden. Er ist gebunden und würde gern mal das erleben, was sonst immer nur sein Hirn abkriegt: Sex mit einer/m Unbekannten. Im normalen Leben geht das aber nicht. Sei es, weil er zu beschäftigt, zu träge oder zu schüchtern ist. Da helfen die netten Leute von seitensprung.de & Co. gerne weiter und vermitteln eine kleine Affäre. Erfolgsloses Anbaggern entfällt, man weiß ja, worum es geht.
Doch bei den treuen Tomaten, die eigentlich gar nicht wollen, müssen sie sich schon schwerer ins Zeug legen. Da ist jedes Argument recht, und sei es ein Zitat von Guy de Maupassant aus dem 19. Jahrhundert: "Jeder Mann, der sich sein Leben lang mit einer Frau begnügt, wäre jenseits der Naturgesetze, wie jemand, der sich ausschließlich von Salat ernährte". Mit anderen Worten: Wer nicht fremdgeht, ist abartig. Da kann man einfach nichts entgegnen - also besser Augen zu und durch.

Die Moral darf man getrost beiseite schieben. Schließlich trägt auch der gut gebaute Mann auf dem Foto, der sich mit einer nackten Schönen auf dem Bett wälzt, einen Ehering - und man kann davon ausgehen, dass es nicht seine Gattin ist, die er da gerade bespielt.

Wer noch ungeübt ist in der Kunst des Hintergehens, findet ebenfalls Hilfe im Internet. Dort kursiert beispielsweise eine "Liste für erfolgreiches Fremdgehen“, die nützliche Ratschläge an die Hand gibt. Dass sich der Ratgeber explizit an männliche Leser wendet, lässt ahnen, dass Männer auf taktische Hilfe besonders angewiesen sind:

- Legen Sie sich ein zeitintensives Hobby zu, damit Sie öfter von daheim wegkommen
- Gebärden Sie sich nicht plötzlich experimentierfreudig bei Ihrer Partnerin
- Verwenden Sie denselben Kosenamen für beide Frauen
- Bringen Sie keine Frauen nach Hause mit, sie hinterlassen Spuren
- Beginnen Sie nicht plötzlich abzunehmen oder Sport zu treiben

Geradezu perfide klingt da schon die Empfehlung: "Halten Sie sich an die Straßenverkehrsordnung, damit Sie nicht an Orten geblitzt werden, an denen Sie gar nicht sein dürften!“ Leicht gesagt, wenn einen die geballte Lust mit 90 Sachen durch die geschlossene Ortschaft treibt ...

Eine Agentur für jede Liebeslage
Übrigens kann man auch bei einer Seitensprungagentur auffliegen: Es wäre durchaus möglich, dass der Nachbar oder die Lehrerin der Kinder beim Surfen das Foto findet. Wäre ja auch möglich, dass man auf das wohlbekannte Gesicht des Partners trifft.

Ob diese Gefahr besteht, lässt sich wiederum mit Hilfe einer Agentur prüfen, die sogenannte Treuetests anbietet. Wer testen will, wie es um die außereheliche Flirtbereitschaft seines Partners bestellt ist, kann ihm einen aufreizenden Lockvogel an einer Bar auf den Hals hetzen, ihn mit einer bezaubernden Telefonsexstimme in ein Hotel verführen - oder sonstige Gelegenheiten bieten, die er sonst vielleicht nie genutzt hätte.

Denn auch wenn das jetzt vielleicht ein wenig unlogisch klingt: Bei all dieser Fremdgeherei schätzt der Deutsche die Treue doch durchaus. Und zwar die Treue des Partners - auf die legt er sogar allergrößten Wert.

Ist das nicht schön, für jede Liebeslebenslage gibt es einen Dienstleister. Weil wir immer weniger Zeit haben, nehmen uns andere Menschen immer mehr Dinge ab: Sie vermitteln uns erotische Abenteuer und führen für den Betrogenen die Kontrolle durch. Nicht mehr lange, und wir müssen auch nicht mehr selbst fremdgehen. Dann bezahlen wir andere dafür.

Was spräche eigentlich dagegen, sich über eine Seitensprungagentur mit dem eigenen Partner vermitteln zu lassen? Das wär doch mal was anderes. Und für seine Evolutionsstatistik hätte man auch was getan.

(Quelle: sueddeutsche.de)


Seitensprung für Mehrheit der Deutschen ein Trennungsgrund

Baierbrunn (dpa) - Ein Seitensprung des Partners wäre für die Mehrheit der Deutschen ein Trennungsgrund. Sechs von zehn der Befragten würden sich von ihrem Partner trennen, sollten sie von seinem Seitensprung erfahren. Das ergab eine Umfrage der GfK Marktforschung im Auftrag der "Apotheken Umschau".

Untreue werde "vom Betrogenen als etwas sehr Verletzendes empfunden, dass sie oder er nie vergisst", sagte der Sexualwissenschaftler Paul Starke der Zeitschrift. Ein Kind aus einer heimlichen Beziehung wäre für 62,1 Prozent ein unverzeihbarer Trennungsgrund.

Seitensprung - was nun?

In den letzten Jahrzehnten habe es laut Starke zwar enorme Veränderungen im Partnerverhalten gegeben, nicht jedoch in Sachen Treue. "Die Deutschen gehen heute nicht häufiger fremd als vor 30, 40 Jahren", sagte der Experte. Für die repräsentative Umfrage wurden 1990 Personen ab 16 Jahren befragt.

Fast die Hälfte der Deutschen ist schon einmal fremdgegangen

Hamburg/München (dpa/tmn) - Fast die Hälfte der Deutschen hat sich schon einmal einen Seitensprung geleistet. In einer Umfrage gaben 47 Prozent der Befragten zu, ihren Partner bereits betrogen zu haben.

Bei den Frauen waren es 42 Prozent, bei den Männern sogar 51 Prozent, berichtet die Zeitschrift "Freundin".

Das Meinungsforschungsinstitut Gewis in Hamburg hatte in ihrem Auftrag mehr als 1000 Frauen und Männer befragt.

Laut der Umfrage sind für 59 Prozent der Bundesbürger Fremdgeher Wiederholungstäter: "Wer einmal fremdgeht, wird es immer wieder tun", glauben 63 Prozent der Frauen und 56 Prozent der Männer. Für 30 Prozent bedeutet ein Seitensprung das Aus in der Beziehung. Gleichzeitig sehen 31 Prozent in einem Fehltritt aber auch eine neue Chance für eine langjährige Beziehung.

Wenn aus guten Freunden Paare werden

Hannover/Berlin (dpa/tmn) - Es könnte so einfach sein: Zwei Leute lernen sich kennen, mögen sich und verbringen jede freie Minute miteinander. Er hört sich ihre Probleme an, sie muntert ihn auf, wenn er Liebeskummer hat - so, wie es gute Freunde eben füreinander tun.

Doch mit der Harmonie kann es schnell vorbei sein, wenn einer von beiden plötzlich mehr als nur Freundschaft für den Anderen empfindet. "Wer sich in den besten Freund oder die beste Freundin verknallt, ist oft erstmal in einer Zwickmühle", sagt Wolfgang Bergmann, Psychologe aus Hannover. "Denn eines ist klar: Steht man zu seinen Gefühlen, wird sich einiges ändern - allerdings nicht unbedingt zum Positiven."

Jungs und Mädchen, die in dieser Situation sind, denken deshalb am besten zunächst alleine über ihre Gefühle nach, ehe sie dem anderen reinen Wein einschenken, rät Bergmann. Ist es wirklich Liebe, oder steckt vielleicht etwas anderes dahinter?

"Viele machen in solchen Situationen gerade eine schwere Zeit durch - haben Stress zu Hause, in der Schule oder im Job. Sie sind frustriert, weil irgendetwas nicht so läuft", sagt Bergmann. Deshalb fühlen sie sich in Gegenwart des besten Kumpels ganz besonders wohl. Er oder sie strahlt Ruhe aus, man fühlt sich bei ihm geborgen. "Und diese Empfindungen werden gern mit Liebe verwechselt." Laut Manuel Tusch haben plötzlich auftretende Gefühle für den besten Freund oft mit einer Umbruchphase zu tun, in der einer von beiden gerade steckt: "Der gute Kumpel hat vielleicht gerade seinen ersten Job angetreten und wirkt dadurch auf einmal viel reifer und verantwortungsbewusster", sagt der Paartherapeut aus Köln. "Darum sieht ihn seine beste Freundin mit ganz anderen Augen. Daraus können sich auf jeden Fall Gefühle entwickeln."

Ob diese Gefühle mit Liebe zu tun haben, zeige die Leidenschaft, mit der man sich zum anderen hingezogen fühlt. "Wenn ich bereit bin, bestimmte Verhaltensweisen an ihm zu tolerieren und sogar Dinge plötzlich klasse finde, die er mag, dann geht das schon in die richtige Richtung", ist sich Tusch sicher.

Trotzdem sind die Grenzen oft fließend und für die vermeintlich Verliebten kaum zu erkennen. Natürlich könne es sein, dass man sich wie aus heiterem Himmel in den besten Freund verliebt, sagt Bergmann. "Ich kann Leuten allerdings nicht unbedingt dazu raten, dem anderen einfach alles zu gestehen. Denn fühlt der nicht so, wird die Freundschaft wahrscheinlich einen Knacks bekommen."

Karsten Noack, Kommunikationstrainer aus Berlin, warnt ebenfalls davor, mit der Tür ins Haus zu fallen. "Viel besser ist es, durch einen Trick herauszufinden, wie das Objekt der Begierde zu dem Thema steht." Eine Möglichkeit sei, über andere Paare reden, die vorher befreundet waren. "An der Reaktion des Freundes lässt sich meistens schon ablesen, wie er darüber denkt: Lehnt er so etwas ab, sagt das eigentlich alles." Steht er der Sache offen gegenüber, lohnt es sich, konkreter zu werden: "Man kann dann ja einfach mal die Frage stellen: Könntest du dir das bei uns auch vorstellen? Das klingt unverfänglich und gefährdet nicht gleich die Freundschaft", glaubt Noack.

Die Umschwärmten haben es ebenfalls häufig nicht leicht: "Gesteht mir meine beste Freundin ihre Liebe, ist die Situation auch für mich verzwickt", sagt Karsten Noack. "Für den Fall, dass ich nicht so fühle, ist meine Reaktion sehr wichtig. Ich muss ihr versichern, wie wichtig die Freundschaft für mich ist und klar machen, dass eine Partnerschaft nicht automatisch besser sein muss." Es bringe nichts, Dinge aufzuzählen, die gegen eine Partnerschaft sprechen. Viel mehr müssen die positiven Seiten der Freundschaft betont werden. Und auf keinen Fall dürfen dem anderen falsche Hoffnungen gemacht werden.

Stellt sich dagegen tatsächlich heraus, dass beide die gleichen Gefühle füreinander haben, steht einer Partnerschaft nichts im Weg. Manuel Tusch sieht in Beziehungen, die aus engen Freundschaften heraus entstanden sind, sogar Vorteile: "Beide haben von Anfang an viel Vertrauen zueinander und konnten sich schon im Alltag erleben. Sie wissen also, worauf sie sich einlassen." Oft haben die beiden auch schon gemeinsam Krisen überwunden - und sind daran gewachsen.