WAS FRAUEN WOLLEN

... wissen sie ganz genau. Jedenfalls wenn es darum geht, was sie von einer festen Beziehung und von ihrem Traummann erwarten. Alles über die weibliche Partnerwahl.

Ein schöner Rücken kann auch entzücken. Ein schöner Po sowieso." Da ist was Wahres dran an dem Satz (siehe Bild). Und vielleicht hat Romy Schneider ihren Filmliebhaber (es ist Michel Piccoli) ja gerade aufgrund dieser Vorzüge ausgesucht. Genau betrachtet gibt der Spruch aber nicht einmal in Ansätzen wieder, was Frauen auf der Suche nach einem Partner umtreibt. Dabei sind viele nämlich so pingelig wie Hollywood-Stars bei der Auswahl ihrer Make-up-Artisten. Sprich: extrem detailbesessen!

Bevor ein Mann als potenzieller Ehemann in Betracht gezogen wird, haken sie eine akribisch verfasste Liste an erwünschten Eigenschaften und Nogo- Kriterien ab - von denen die wenigsten mit äußeren Vorzügen zu tun haben. Wir haben die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber zusammengestellt, worauf es Frauen bei der Partnersuche wirklich ankommt, wie sie dabei vorgehen und was sie sich von einer Beziehung erhoffen.

MUSS ER SCHÖN SEIN?

Natürlich spielt das Aussehen eine Rolle. Denn ohne optisch ansprechende Verpackung kommt auch bei Frauen selten Neugier auf den Inhalt auf. Doch im Gegensatz zu Männern, die bereits innerhalb der ersten zwei Sekunden gnadenlos auswerten, ob eine Kandidatin ihren Vorstellungen entspricht, sind Frauen eher nachsichtig. Bauchansatz und andere kleine Macken verzeihen die meisten ebenso wie fortgeschrittenes Alter.

Was nicht heißt, dass Männer ungepflegt zum Date erscheinen dürfen. Wichtige Pluspunkte sammeln sie hingegen mit Merkmalen wie breiten Schultern, einer sportlichen Figur und einem markanten Kinn. Wer damit nicht dienen kann, hat immer noch die Möglichkeit, Frauen akustisch von sich zu überzeugen: Eine sonore Nachrichtensprecherstimme, die Zuverlässigkeit, Dominanz und Durchsetzungsfähigkeit ausstrahlt, macht Frauen offenbar willenlos.

Der Grund für all dies: ein fast unbewusst ablaufendes evolutionsbiologisches Programm, das Frauen seit jeher hilft, instinktiv handfeste Kerle und brauchbare Kindsväter mit hohem Testosteronspiegel zu erkennen. Auch interessant: Frauen mögen Männer, die ihnen selbst gleichen. Probandinnen, die unter mehreren Fotos das Bild des sympathischsten Mannes aussuchen sollten,wählten in der Mehrzahl ihr eigenes Gesicht, das am Computer mit männlichen Konturen ausgestattet wurde.

WAS WIRKLICH ZÄHLT

Viel wichtiger sind Frauen allerdings ganz andere Dinge. Laut einer aktuellen Studie der Online- Partnervermittlung ElitePartner.de rangieren Humor, Bildung und Treue ganz oben auf der Wunschliste. Das ist leicht zu erklären: Diese Eigenschaften helfen, die weiblichen Vorstellungen von einer perfekten Beziehung zu realisieren: "Frauen wünschen sich emotionale Nähe und Sicherheit, einen guten sozialen Status und positiven Lebensmittelpunkt als Gegenentwurf zum stressigen Alltag. Dafür sind diese drei Eigenschaften von großem Wert. Humor schafft Optimismus, Bildung erhöht die Wahrscheinlichkeit auf einen guten Job, und Treue sorgt für ein Gefühl von Geborgenheit und Nähe", erklärt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von Elite- Partner.de.

Damit sind die grundlegenden Anforderungen erst einmal erfüllt, doch die Checkliste der Frauen ist noch lange nicht am Ende: Auch Charakterzüge wie Zuverlässigkeit, Ehrlichkeit, Rücksichtname, Freundlichkeit, Kinderliebe, Ehrgeiz, die Fähigkeit zuzuhören und gute Manieren werden abgeprüft. Erstaunlich ist dabei, wie wenig sich manche Werte trotz aller gesellschaftlichen Umwälzungen innerhalb der letzten 50 Jahre verändert haben.

Der Bamberger Soziologie- Professor Hans-Peter Blossfeld hat festgestellt, dass Frauen noch immer Partner bevorzugen, die ihnen an Bildung und Einkommen überlegen oder zumindest gleichgestellt sind. Und das obwohl sie längst finanziell unabhängig und nicht auf einen Ernährer angewiesen sind. Männer hingegen legen weniger Wert auf den sozialen Status von Frauen. "Dass ein Arzt eine Krankenschwester heiratet, ist durchweg normal. Eine Ärztin mit einem Pfleger hingegen sehr ungewöhnlich und gesellschaftlich wenig angesehen.

Das offenbart traditionelle Vorstellungen, die man eigentlich längst überwunden glaubte", so Blossfeld. Selbst wenn die Frau das Haupteinkommen nach Hause bringt, wird nach außen hin der Anschein aufrechterhalten, er wäre der bessere Verdiener. Diese Einstellung ist auch der Grund dafür, dass es beruflich erfolgreiche Frauen manchmal schwerer haben, einen Mann zu finden. Blossfeld: "Wenn etwa 20 Prozent der gebildeten Männer eines Jahrgangs nach unten heiraten, sinkt natürlich das Angebot für die gebildeten Frauen." Ebenfalls unverändert ist die Tatsache, dass Frauen Männer suchen, die zwei bis fünf Jahre älter sind als sie selbst. Paare mit großem Altersunterschied bleiben eine Randerscheinung.

WO UND WIE SUCHEN FRAUEN?

Die Orte, an denen Frauen hoffen, einen passenden Partner zu finden, hängen stark von ihrem Alter ab. Während sie zwischen 25 und 45 Jahren hauptsächlich auf Partys, in Bars und bei Treffen im Freundeskreis die Augen offen halten, setzen Ältere eher auf kulturelle Veranstaltungen. Das liegt natürlich einerseits an den unterschiedlichen Lebensstilen, aber auch daran, dass reifere Frauen bereits sehr genau wissen, wer zu ihnen passt und was sie von einem Partner erwarten. Ausgedehntes Feiern zählt nicht unbedingt dazu, eher Gespräche mit Gleichgesinnten und gemeinsame Unternehmungen.

Während Jüngere experimentierfreudiger sind, suchen Ältere sehr zielgerichtet an Plätzen, wo sie den gewünschten Menschentyp vermuten. Diese Einstellung macht auch Online-Partneragenturen zu einem beliebten Hilfsmittel dieser Frauengruppe. Lisa Fischbach: "Im Internet können sie ihre Vorstellungen gezielt angeben und erhalten schnell Zugang zu einem Pool an Gleichgesinnten in einer ähnlichen Lebenssituation."

Generell entdecken immer mehr Frauen die Vorzüge der Internetsuche. Jede fünfte Singlefrau nutzt bereits die Dienste einer solchen Partnervermittlung. "Sie schätzen die sichere Kommunikation per E-Mail, können die Geschwindigkeit der Kontaktaufnahme selbst bestimmen und müssen sich nicht gleich mit einem Foto präsentieren", erklärt Singlecoach Lisa Fischbach die steigende Beliebtheit.

WIE STARK IST DER WUNSCH NACH EINER PARTNERSCHAFT?

Frauen sind heute selbstbewusster und haben ein höheres Selbstwertgefühl als noch vor 20 Jahren. Das hat nicht nur dazu geführt, dass sie sich heute aktiver an der Partnersuche beteiligen, sondern vor allem auch dazu, dass sie auf entspanntere Art Single sind. Fischbach: "Allein zu leben bedeutet heute kein gesellschaftliches Stigma mehr. Für kurze Zeit macht es vielen sogar Spaß. Anders als die meisten Männer kommen Frauen prima damit klar. Sie haben in der Regel ein hervorragendes soziales Netz, das ihnen Geborgenheit vermittelt, enge Beziehungen zu ihren Freundinnen und genügend Möglichkeiten, sich auch verbal auszutauschen." Das gibt ihnen bei der Partnersuche eine wesentlich größere Gelassenheit.

Und: Sie sehen wenig Veranlassung, wichtige Eckpfeiler ihres bisherigen Lebens für eine neue Partnerschaft aufzugeben. Nur sieben Prozent der weiblichen Singles würden für eine neue Liebe alte Freundschaften vernachlässigen, nur fünf Prozent gäben für einen Mann ihren Job auf. Noch weniger Zugeständnisse möchten Singles über 55 Jahren an eine Beziehung machen. Rund 13 Prozent von ihnen geben sogar an, überhaupt keine Lust auf Kompromisse zu haben. Auch das Zusammenwohnen ist vielen Älteren nicht sehr wichtig. Ihre Beziehung gestalten sie lieber mit gemeinsamen Unternehmungen und Urlauben.

Dies alles hat für moderne weibliche Singles eine angenehme Folge: Sie gehen die Suche nach der großen Liebe gelassen an. Statt in Torschlusspanik zu verfallen, geben sie sich Zeit, um den Richtigen zu finden.

 

Quelle: elle.de/liebepsycho/ratgeber